Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung in Rheinland-Pfalz stärken – Antrag der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Die Eindämmung und Bewältigung der Erderwärmung, der Erhalt unserer biologischen Vielfalt oder die Entwicklung einer verträglichen Mobilität und Energieversorgung sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielen gesellschaftlichen Herausforderungen, zu deren Bewältigung wir auf den Beitrag der Wissenschaft angewiesen sind. Eine dieser Herausforderungen, die Eindämmung des Klimawandels und der Erderwärmung, möchte ich besonders hervorheben.

Wir erleben derzeit beim täglichen Blick aus dem Fenster in einem Winter, der viel zu warm ist für die hiesigen Verhältnisse, dass der Klimawandel voranschreitet. Dabei geht es nicht nur darum, dass unsere Kinder auch noch in 20, 30 oder 40 Jahren wissen, was wir heute einen, wenn wir über Winter sprechen. Es geht auch darum, dass wir den schädlichen Folgen des Klimawandels, der Ausbreitung der Wüsten, zunehmenden extremen Wetterereignissen und anderen schädlichen Folgen des Klimawandels entgegentreten. Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, dann reden wir über nicht weniger als über die Aufgabe, dass wir unsere heutige Gesellschaft so gestalten, dass sie ihren Bedürfnissen gerecht werden kann, ohne künftigen Gesellschaften und künftigen Generationen die Möglichkeit zu nehmen, auch ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Problemstellungen aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Es geht auch um die Gestaltung einer älter werdenden Gesellschaft. Es geht um Strategien gegen die Ausgrenzung und Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen, oder es geht auch um die Grundlagen eines ethisch verantwortlichen Wirtschaftens.

(Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD)

Meine Damen und Herren, wir brauchen eine Wissenschaft, die sich zunehmend den großen gesellschaftlichen Herausforderungen zuwendet. Wenn wir diese Herausforderungen für die Wissenschaftspolitik ernst nehmen, dann fangen wir in Rheinland-Pfalz keineswegs bei null an. Das verdeutlicht auch die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in vielen Facetten. Wir haben viele Hochschulen des Landes, die sich auf den Weg gemacht haben, die nachhaltigkeitsbezogene Wissenschaft in ihren eigenen Prozess der Weiterentwicklung als Ziel zu integrieren. Wir haben den Umweltcampus Birkenfeld als bundesweit anerkannten Leuchtturm nachhaltiger, anwendungsbezogener Wissenschaft. Wir haben auch das bemerkenswerte Projekt der Technischen Universität Kaiserslautern „Nachhaltige TU Kaiserslautern“, das auf einen systematischen Nachhaltigkeitsprozess gesamtuniversitär ausgerichtet ist. Nicht zu vergessen sind auch die ielen Ansätze und Projekte auf der Ebene einzelner Fachbereiche oder Institute oder einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich auf den Weg gemacht haben, nachhaltige Wissenschaft voranzubringen. Sie bewegen sich damit auf einer gesamteuropäischen Entwicklungslinie. Mit dem neuen EU-Rahmenprogramm der Forschungsförderung „Horizont 2020“ hat der Bereich gesellschaftlicher Herausforderungen nicht nur dadurch an Bedeutung gewonnen, dass er insgesamt wichtiger geworden ist, sondern er ist auch der Bereich in diesem Forschungsförderungsrahmenprogramm, der mit der größten Geldsumme insgesamt unterlegt ist.

Meine Damen und Herren, mit dem vorliegenden Entschließungsantrag wollen wir unter anderem auch unterstützen, dass unsere Hochschulen zunehmend von dieser Schwerpunktsetzung der EU-Forschungsförderung profitieren. Wir wollen die Hochschulen ermutigen, dass sie in ihren Studienangeboten zunehmend die Vermittlung nachhaltigkeitsbezogener Kompetenzen verankern, weil es nicht nur um Beiträge der Forschung geht, sondern weil auch mit den Studierenden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit Know-how für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Gesellschaft ausgebildet werden können. Wir wollen die Hochschulen dafür gewinnen, dass sie zunehmend mit zivilgesellschaftlichen Akteuren kooperieren, zum Beispiel mit lokalen Projekten und Netzwerken, die nachhaltige Entwicklungen vor Ort voranbringen. Wir wollen auch eine Öffnung der Hochschulen in die Gesellschaft deswegen unterstützen, weil die nachhaltige Entwicklung eben nicht nur eine Aufgabe staatlicher Strukturen und politischer Prozesse ist, sondern weil die nachhaltige Entwicklung nur gelingen kann, wenn es ein breit getragenes Projekt mit vielen Beteiligten ist. Insofern möchten wir Ansätze unterstützen, in denen Wissenschaft für Nachhaltigkeit als eine Wissenschaft mit den Menschen für eine verträgliche zukunftsfähige Gesellschaft
wirksam wird.

(Glocke des Präsidenten)

Vielen Dank.

(Beifall des BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD)

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